Adventszeit mit meinen erwachsenen Kindern

Heiße Maroni- und heiße Diskussionen: Wie und wo feiern wir dieses Jahr Weihnachten?

An sich eine recht simple Frage, denn Weihnachten ist ganz klar Familienzeit. Doch was ist wenn die Kinder erwachsen sind und mehr und mehr ihr eigenes Leben gestalten? Vor zwei Jahren haben wir das letzte Mal Weihnachten in der gemeinsamen Wohnung gefeiert, in der wir, also meine vier Kinder und ich, elf Jahre lang gelebt haben. Da war es klar, Weihnachten findet Zuhause statt. Heute zwei Jahre später sieht es schon ganz anders aus. Ich wohne in einer neuen Wohnung, alleine und zwar zum ersten Mal in meinem Leben! Das mag unvorstellbar für manche Ohren klingen, aber mal ehrlich, als ich mit Anfang 20 mein erstes Kind bekommen habe, war es „normal“ so jung Mutter zu werden und eine Familie zu gründen. Heute, fast 30 Jahre später sieht die Welt, was die Einstellung gegenüber Kinder bekommen in jungen Jahren angeht, schon wieder ganz anders aus.

Aber ich schweife ab. Ich wohne wie gesagt in einer neuen Wohnung und meine drei Söhne wohnen seit kurzem ebenfalls zusammen in einer WG. Vor einem Jahr hätte ich mir nicht träumen lassen, dass meine Jungs sich dazu entscheiden gemeinsam wieder zusammen zu wohnen. Meine Tochter, 28 Jahre alt, frisch gebackene Masterabsolventin (ja, ich bin stolz!) ist ebenfalls vor kurzem umgezogen und zwar in das schöne Münsterland, zusammen mit ihrem Freund.

Also wir haben es nicht nur mit einem Zuhause zu tun, sondern mit drei „Zuhause“.

Wo und wie wollen wir Weihnachten feiern? Diese Frage stellte also meine Tochter vor kurzem bei ihrem Besuch bei uns in Stuttgart (meine Söhne und ich wohnen in der Schwabenmetropole). Für mich als Mutter ist es tatsächlich eines der schönsten Sachen, dass das „wir“ ohne Zweifel im Raum steht, dass das wo und wie reine organisatorische Fragen sind. Am Ende haben wir uns entschieden bei meinen Söhnen in der neuen Wohnung zu feiern. Damit bin ich streng genommen nun „Gast“ bei meinen Söhnen. Das fühlt sich richtig gut an!

Überhaupt, an der Weihnachtsplanung so wie sie heute bei meinen Kindern und mir verläuft, zeigt sich mir einmal mehr wie wichtig das „sich öffnen“ für neue Ideen und Einfälle von den eigenen Kindern ist. Wenn ich daran denke, wie ich damals als Mutter von vier kleinen Kindern den Ablauf für Weihnachten organisiert habe und meine Kinder natürlich voller Vorfreude auf Weihnachten warteten. Im Laufe der Pubertät änderte sich das peu à peu, und dabei muss ich hinzufügen, dass meine Kinder vom Alter gesehen nah beieinander sind (heute ist Ferdinand 24, Olaf 26, Katharina 28 und Michael 29 Jahre alt). Die Art und Weise wie wir als Familie und speziell ich als Mutter mit den unterschiedlichen Charakteren meiner Kinder in einem Kontext wie Weihnachten umgehe, ist die Quintessenz und damit mein Tipp an Eltern die Inputs der älter werdenden Kinder offen und mit Interesse aufzunehmen. Das heißt nicht, dass alles was ich an Weihnachten in die Familie gebracht habe vergessen ist, im Gegenteil, wir singen bis heute an Weihnachten, aber viele Veränderungen spielen eben doch wesentlich mit hinein.

Ich glaube es ist die Verbindung aus dem was die Eltern einerseits und dem was die Kinder andererseits mitbringen in dieser Zeit. Diese Mischung ist nach meiner Erfahrung ganz wesentlich dafür verantwortlich, dass sich in der Zukunft und je älter die Kinder werden alle Familienmitglieder auf Familienfeste wie Weihnachten, Thanksgiving oder Ramadan freuen. Bleibt die Elternperspektive die dominierende und die jungen Erwachsenen müssen sich gezwungenermaßen unterordnen, geht es aber aus meiner Sicht langfristig in die Klischeekiste à la „Weihnachten mit der Familie ist doch nervig, öde, stressig etc.“

Eigentlich ist die Vor- und Weihnachtszeit ein ideales Beispiel, anhand dessen Eltern und erwachsene Kinder sehen, ob sie entweder zusammen wachsen oder sich mehr und mehr auseinanderleben und am Ende nur noch einen sehr oberflächlichen oder gar kein Kontakt mehr pflegen.

Also angefangen mit der Adventszeit bis hin zu Weihnachten zeigen mir jedes Jahr aufs Neue, dass es innerhalb der Familie vielmehr um ein WIR als um ein ICH geht. Ich bin nicht mehr für alles alleine verantwortlich, denn JEDER bringt sich mit ein. Ich muss zum Beispiel dieses Jahr den Weihnachtsbaumständer kaufen und meine Kinder übernehmen den super stressigen Einkauf für die Weihnachtstage, hah, wie ist das schön!

Ich hofffe Ihnen gefällt der Text- vor allem meine Aussage dahinter. Ich wünsche Ihnen stressfreie Weihnachtsvorbereitungen, die vor allem von der Vorfreude auf Weihnachten geprägt sind.

Ihre Äggi